Sport als Therapie bei ADHS: Experten-Tipps und mögliche Risiken

Erfahren Sie im Interview, wie Sport bei ADHS therapeutisch wirken kann, welche Sportarten geeignet sind und wann Bewegung zur Gefahr wird.
Regelmäßige körperliche Aktivität kann bei der Bewältigung von ADHS-Symptomen eine unterstützende Rolle spielen. In einem Fachgespräch beleuchtet ein Psychiater die therapeutischen Potenziale von Bewegung sowie die damit verbundenen Risiken für Betroffene.
Die Wirkung von Bewegung auf das Gehirn
Menschen mit ADHS erleben häufig Herausforderungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Selbstregulation. Diese Symptome stehen oft in engem Zusammenhang mit dem Neurotransmitter-Haushalt im Gehirn, insbesondere bei der Regulierung von Dopamin und Noradrenalin.
Sportliche Betätigung fördert die natürliche Produktion dieser Botenstoffe. Dies kann dazu beitragen, die neuronale Aktivität zu stabilisieren und die Konzentrationsfähigkeit kurzfristig zu verbessern. Somit dient Bewegung als wertvolles Werkzeug zur Selbstregulation im Alltag, um die innere Unruhe zu lindern.
Welche Sportarten sind besonders effektiv?
Die Wahl der richtigen Sportart ist entscheidend, um den gewünschten therapeutischen Effekt zu erzielen. Ein Experte empfiehlt dabei verschiedene Ansätze, je nach individuellem Bedarf:
- Koordinative Disziplinen: Sportarten, die Geschicklichkeit und Fokus erfordern, wie etwa Kampfsport, Tennis oder Tanzen, helfen dabei, die mentale Präsenz und die Konzentration zu stärken.
- Ausdauersport: Regelmäßiges Laufen oder Schwimmen kann helfen, überschüssige Energie abzubauen und Stress abzubauen.
- Strukturierte Aktivitäten: Sportarten mit klaren Regeln und festen Abläufen bieten Orientierung und fördern die Disziplin.
Achtung vor der „Thrill-Falle“
Trotz der vielen Vorteile gibt es eine psychologische Hürde: die Suche nach dem extremen Reiz. Da das Belohnungssystem bei ADHS-Betroffenen oft nach intensiveren Signalen sucht, besteht die Gefahr, dass Sport nur noch als Mittel zur massiven Adrenalinausschüttung genutzt wird.
Wenn die Bewegung in ein riskantes Verhalten umschlägt, um einen schnellen „Kick“ zu erleben, kann dies zur sogenannten Thrill-Falle führen. Hierbei wird die Grenze von der gesundheitsfördernden Aktivität hin zu gefährlichem Risikoverhalten überschritten. Es ist daher essenziell, eine Balance zwischen körperlicher Herausforderung und Sicherheit zu finden.
Ein ganzheitlicher Ansatz für den Alltag
Sport sollte idealerweise als Teil eines umfassenden Therapiekonzepts betrachtet werden. Er ergänzt medizinische oder psychologische Maßnahmen, ersetzt sie jedoch nicht. Eine bewusste Auswahl der Aktivitäten und die regelmäßige Reflexion der eigenen Motivation sind entscheidend, um langfristig von den positiven Effekten der Bewegung zu profitieren.




