ADHS und Sport: Wie gezielte Bewegung die psychische Balance fördert

2026-06-23
ADHS und Sport: Wie gezielte Bewegung die psychische Balance fördert

Erfahren Sie im Interview, wie Sport bei ADHS therapeutisch wirken kann, welche Sportarten geeignet sind und worauf Betroffene achten sollten.

Sport gilt oft als universelles Mittel zur Gesundheitsförderung, doch seine Bedeutung geht weit über die rein körperliche Fitness hinaus. Insbesondere für Menschen mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) kann gezielte körperliche Aktivität eine wertvolle therapeutische Unterstützung darstellen. Ein Psychiater erläutert in einem Fachinterview die Mechanismen hinter diesem Effekt und gibt praktische Empfehlungen für den Alltag.

Die Verbindung zwischen Bewegung und dem Gehirn

Bei ADHS ist die Regulierung von Neurotransmittern im Gehirn oft verändert. Bewegung wirkt hier wie ein natürlicher Modulator. Durch sportliche Betätigung wird die Ausschüttung von Dopamin und Noradrenalin angeregt. Diese Botenstoffe spielen eine entscheidende Rolle bei der Steuerung der Aufmerksamkeit, der Impulskontrolle und der Belohnungserwartung. Eine regelmäßige körperliche Aktivität kann somit dazu beitragen, die neuronale Balance zu verbessern und die Symptomatik der Konzentrationsschwäche zu mildern.

Welche Sportarten sind besonders geeignet?

Es gibt nicht die eine ideale Sportart, aber bestimmte Strukturen können den therapeutischen Nutzen verstärken. Dabei kommt es auf das individuelle Bedürfnis nach Stimulation oder Ruhe an:

  • Mannschaftssportarten: Sportarten wie Fußball oder Basketball fördern nicht nur die Koordination, sondern schulen auch die soziale Interaktion und das Regelverständnis.
  • Koordinationsintensive Sportarten: Aktivitäten wie Kampfsport oder Klettern erfordern eine hohe mentale Präsenz und fokussierte Aufmerksamkeit, was das Gehirn gezielt trainiert.
  • Ausdauersport: Laufen oder Schwimmen kann helfen, überschüssige Energie abzubauen und einen stabilisierenden Effekt auf das Nervensystem zu haben.

Die Gefahr der Thrill-Falle

Trotz der vielen Vorteile gibt es eine wichtige Warnung: Sport sollte nicht zur reinen Suche nach dem nächsten Adrenalinkick missbraucht werden. Viele Betroffene neigen zu extremer Risikobereitschaft, um die notwendige Stimulation zu erreichen. Wenn Sportarten zu gefährlichen Extremsituationen führen, kann dies die Impulskontrolle eher schwächen als stärken. Das Ziel sollte eine nachhaltige, ausgewogene Bewegung sein, die die psychische Stabilität fördert, statt sie durch riskantes Verhalten zu gefährden.

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